Kommunikationsdesign BA
Melanie Winbeck
Rinderpfade – Netzwerke einer alpinen Kultur
Gesellschaftlich wird das Rind primär über seine Funktion als Nutztier wahrgenommen. Trotz seiner Anerkennung als wertvoller Bestandteil von Landwirtschaft, Ernährung und Landschaftspflege bleibt das Lebewesen selbst häufig im Hintergrund. Wir realisieren Milchprodukte, Lederwaren und regionale Spezialitäten – selten jedoch das Rind selbst, das diese Vielfalt überhaupt erst ermöglicht.
Über Jahrhunderte war das Rind Zugtier, Nutztier und Produktionsfaktor. Heute ist es Gegenstand gesellschaftlicher Debatten über Tierwohl, Klimawandel und nachhaltige Landwirtschaft sowie Symbol für Heimat, Naturverbundenheit und regionale Identität. Zwischen der idyllischen Vorstellung der Weidelandschaft und den Realitäten moderner Tierhaltung entsteht ein Paradox, das nicht allein dem Tier zuzuschreiben ist. Um den Wert des Rindes vollständig zu erfassen, muss die einseitige Perspektive erweitert werden.
Wie kann ein Tier, das so stark von menschlichen Lebensweisen geprägt wird, als eigenständiger Akteur erkannt werden?
Rinderpfade untersucht diese Fragestellung aus fotografisch-dokumentarischer Perspektive. Entlang der Netzwerke Tourismus, Klima, Landwirtschaft, Kultur und Konsum verfolgt die Publikation die Spuren des Rindes durch vielfältige Beziehungen. Fotografische Reportagen und Interviews mit fünf Akteuren – einem Käser, einem Züchter, einem Landwirt, einem Metzger und einer Kulturwissenschaftlerin – vertiefen diese Zusammenhänge. Das Editorial legt seinen Fokus auf die oft unsichtbaren Beziehungen zwischen Tier, Mensch und Umwelt – mit dem Ziel, das Rind als einen aktiven Mitgestalter unserer Welt zu erkennen und zu schätzen.
Betreuung:
Prof. Christina Strenger Jörg Fokuhl