Creative Engineering BA
Florian Doll
Phygitales Design – Myzel-basierte Verbundwerkstoffe und der digitale Produktpass
Dieses Projekt entwirft ein phygitales System, das die Kultivierung biologischer Materialien mit digitaler Transparenz verknüpft. Im Zentrum steht die Entwicklung von Myzel-gebundenem Komposit – ein zukunftsweisender Werkstoff, bei dem das Wurzelgeflecht von Pilzen lokale Reststoffe wie Sägespäne oder Stroh zu einem stabilen, leichten Material bindet. Diese Artefakte entstehen nicht durch klassische Fabrikfertigung; sie wachsen kontrolliert innerhalb eines biologischen Kreislaufs.
Die Notwendigkeit dieses Ansatzes zeigt sich in einer drastischen Verschiebung. Seit 2020 überwiegt die Masse des Menschengemachten – von Beton bis Plastik – die gesamte lebende Biomasse unserer Erde. Als Gegenentwurf zu diesem Ungleichgewicht erweitert dieses Projekt die physische Materie um die Myzel-Map. Die Web-App denkt den kommenden digitalen Produktpass der EU neu und verwandelt technokratische Daten in eine narrative Landkarte.
Über eine einfache ID am Objekt werden die unsichtbaren Geschichten hinter dem Material greifbar: von den Biografien der Rohstoffe bis zur essenziellen „Care-Arbeit“, die im Wachstumsprozess steckt. Anstelle industrieller Zentralisierung tritt die Vision des „Scaling Out“ – ein dezentrales Modell der Fertigung, das Design als Kooperation mit lebenden Organismen begreift. So wird Nachhaltigkeit mehr als eine Kennzahl. Sie wird zu einer bewussten Beziehungsarbeit zwischen Mensch und Umwelt.
Betreuung:
Prof. Dr. Helge Oder Rebecca Bilger